Exotisches und Spektakuläres

Wie in jedem Jahr beeindruckte bei der Chelsea Flower Show 2011 wieder das ungeheure gestalterische, handwerkliche und gärtnerische Können, mit dem für wenige Tage wundervolle Gartenbilder virtuos und bis ins letzte Detail perfekt aufgebaut werden. Wie immer wurden Mauern hochgezogen, inkl. rosenüberwucherter Ruinen einer gotischen Kirche, Wasserbecken und -läufe wurden konstruiert, Gartenhäuser errichtet, Treppen und Terrassen gepflastert und riesige Bäume herbeigeschleppt. Und alles wunderbar und auf den Punkt blühend bepflanzt.

Aber Perfektion ist bei der Chelsea Flower Show ohnehin sozusagen die Eingangsbedingung. Geboten wurden wieder auch unglaubliche Extra-Highlights: die Stadt Leeds baute z.B. eine für ihre Region typische, romantische Mühle aus Naturstein auf, komplett mit funktionierendem Mühlrad, sumpfigem Mühlenteich und einem verwunschenen Countrygarten drumherum inklusive zweier Riesenbäume.

Ein typisch australischer Garten, gestaltet von den Royal Botanic Gardens in Melbourne brachte die fremdartige Vegetation von Down under nach London. Hier faszinierten bizarre Wüstengewächse und fremdartige Gehölze.

Malaysia baute ein grandioses Stück Dschungel-Wassergarten mitten in London auf und der Garten des Fürstentums Monaco glänzte mit einem todchicen, perfekt gefliesten Swimmingpool. Fürst Albert ließ es sich nicht nehmen, kurz vor seiner spektakulären Prunkhochzeit diesen Garten selbst der Öffentlichkeit vorzustellen.

Fürst Albert hatte bei der Gestaltung dieses luxuriösen Gartens ganz offensichtlich ein überaus großzügiges Budget bewilligt. Alles war glamourös und ´très chic´. Dennoch waren bei der für das dicht besiedelte Monaco typischen Interaktion von Architektur und Natur doch auch viele ökologische Gesichtspunkte eingearbeitet, die dem Fürsten ebenso am Herzen liegen. So gab es, zur sichtlichen Begeisterung der Londoner Bienen, ein opulent mit Lavendel bepflanztes Dach und üppig begrünte Mauern als Bienenweide.

Irland ließ in seinem „A Garden in the Sky“ eine vom Chefdesigner des Films „Avatar“ entworfene, futuristische, pinkfarbene Arche an einem Mammutkran über einem ansonsten völlig in Grün modellierten Garten schweben, der nicht von ungefähr mit seinen zahlreichen runden Formschnittvariationen an die rollenden, grünen Hügel Irlands erinnerte. Diese Gondel, die bei vielen Besuchern auch die Assoziation an ein riesiges, mandelförmiges Auge weckte, war kunstvoll mit einer hängenden Bepflanzung geschmückt, die mich an einen überdimensionalen ‚hanging basket’ erinnerte. Dieser irische Hanggarten, der in fantasievollen Variationen auszuloten schien, wie viele Variationen der Farbe Grün es wohl gibt, wurde bei der alljährlich stattfindenden Wahl durch die Besucher 2011 zum Publikumssieger gekürt.

Damit wären wir am Ende unseres Rundgangs über die die Chelsea Flower Show 2011 angelangt, der übrigens auch bei so prachtvollem Sommerwetter stattfand, daß ein Stand mit eleganten breitkrempigen Hüten in allen Farben sichtlich Rekordumsätze machte. - Habe ich Sie ein wenig für dieses Ereignis begeistern können? In diesem Sinne: die Chelsea Flower Show 2012 findet vom 22. bis 26. Mai 2012 statt!

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Gestaltungsideen für kleine Gärten

Eine neue Spielwiese für Nachwuchsdesigner bei der Chelsea Flower Show: Die „Artisan Gardens“, wo man auf engem Raum (und daher mit wesentlich kleinerem Budget) sich kreativ austoben kann.

Hier waren in diesem Jahr lauter kleine Miniaturen zu sehen, die zeigten, daß man auch kleine Flächen fantasievoll und detailreich zum total individuellen Traumgarten gestalten kann. Ich sah mit gärtnerischer Virtuosität erschaffene Gartenparadiese voller nostalgischer Reminiszenzen und einer üppigen Fülle wundervoller Pflanzen, die ebenso wie die kreativ ausgewählten Accessoires immer in überzeugender Weise dem gewählten Thema korrespondierten. Auffallend war, daß auch bei den Gärten der Nachwuchsdesigner ländliche Themen und eine naturnahe Gestaltung und Bepflanzung vorherrschten.

Furore machte ein von einer jungen koreanischen Gartendesignerin entworfener Garten in ‚Wabi Sabi’ Manier. Die dort traditionell eingeschlossene Meditation über das Thema ´Vergänglichkeit´ war mit der kunstvollen Verwendung wunderbarer Vintage- und Recycling-Materialien bei Wegen, Mauern und Accessoires variiert. Diese waren eingebettet in ein genau beobachtetes und im Detail nachgepflanztes, romantisches Stück ´Country´. Ein sichtlich antikes, dekoratives hölzernes Häuschen im Zentrum dieses Countrygartens entpuppte sich nicht als kleiner Meditationstempel, sondern als traditionelles koreanisches Freiluftklo. In diesem Zusammenhang zeigten sich englische Medien wie viele Besucher begeistert von der doppeldeutigen Metaphorik des Titels des koreanischen Gartens: „Emptying one´s mind“.

Eigentlich in allen kleinen Gärten war ein ‚Country Garden’ Thema gestaltet: ein Gemüsegärtchen sichtlich bescheidener, aber gärtnerisch fähiger Leute, eine nostalgische „Postcard from Wales“ mit Cottage und Boot oder romantische Rückzugsorte von Dichtern und Malern. Mit einer Fülle von Inspirationen, die man sofort hätte zu Hause umsetzen können, da sie ja im Grunde schon im richtigen Reihenhaus-Maßstab waren.

Besonders anrührend fand ich ein von Londoner Schulkindern gestaltetes und auch während der Ausstellungszeit betreutes Gemüsegärtlein. Dies war Teil eines Projektes, mit dem Kinder aus nicht sehr privilegierten Verhältnissen mitten in London auf brachliegenden Bebauungslücken in mobilen Containern Gemüse ziehen lernen. So ermöglicht man diesen Großstadtkindern einen Bezug zur Natur und deren Gesetzmäßigkeiten und gleichzeitig eine sinnvolle Aufgabe und Beschäftigung für ihre Freizeit. Erfolgserlebnisse gibt es auch finanzieller Art, da örtliche Restaurants sich verpflichtet haben, den Schulkindern etwaige Produktionsüberschüsse abzukaufen.

Bei den privaten Initiatoren dieses Projekts steckt auch die Idee dahinter, daß Kinder, die ohne Wissen über und Zugang zur Natur aufwachsen, wohl schwerlich zu Erwachsenen werden können, die der Herausforderung gewachsen sein können, unsere natürlichen Lebensgrundlagen nicht weiter zu zerstören, sondern nach Kräften zu wahren. Ein ähnliches Projekt sinnvoller Jugendarbeit entsteht übrigens derzeit in Berlin.

WE NEVER KNOW
THE WORTH OF WATER
TILL THE WELL IS DRY

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Dekorative Küchengärten

Der Trend zu starken Farben und ökologischem Bewußtsein durchzog auch die nach wie vor enorm beliebten dekorativen Küchengärten in Chelsea. Selbstversorgung mit gesun-den Lebensmitteln ist derzeit in England ein Riesenthema. Aber natürlich spielen für englische Gartendesigner auch bei der Gestaltung eines Nutzgartens ästhetische Kriterien eine große Rolle. Das Prinzip, daß "das Auge mitißt" wird sozusagen im übertragenen Sinne schon beim Anpflanzen von Obst und Gemüse beachtet. Ein Küch-engarten soll eben gleichermaßen Genuß gewähren für Magen, Auge und alle Sinne.

Die renommierte Gartendesignerin Bunny Guinness gestaltete für Chelsea einen überaus facettenreichen, prachtvollen Show-Garten, der fast ausschließlich mit Obst, Gemüse und Kräutern bepflanzt war. Lediglich ein paar Rosen und Sommerblumen durften mitspielen. Wunderschön waren die sensationell attraktiven und fantasievollen ´mixed borders´ aus vielerlei Gemü-sesorten und Beerensträuchern. Fast alles war bequem in Hochbeeten mit einer stabilen Weidengeflechtumrandung untergebracht. Sehr dekorativ und bequem zu bewirtschaften.

Diese Hochbeete waren vielleicht teilweise ein Tribut an unsere alternden Gesellschaften. Auch bei den chronisch gartenbegeisterten Engländern finden gerade immer mehr ältere Leute vermehrt Zeit und Muße, im Garten noch einmal so richtig durchzustarten. So traf ich einen alten Herrn, der vor über 10 Jahren mit Anfang 70 mit seiner Frau aufs Land zog, wo er fast im Alleingang ein verwildertes, über 4000 Quadratmeter großes Grundstück im Lauf der Jahre in ein prachtvolles, grünes Paradies verwandelte.

Wie dem auch sei, die Grundform von Bunnys Küchengarten aus Hochbeeten war jedenfalls wie bei einem klassischen französischen Potager als elegantes formales Parterre (Hochparterre sozusagen) strukturiert. Die Bepflanzung in diesem formalen Rahmen: üppig, farbenfroh, natürlich, biologisch. Sehr elegant und stilvoll wirkte dieser Gemüsegarten auch durch die sichtlich teuren Accessoires, mit denen er ausgestattet war. So war dieser Nutzgarten mit einem speziell für ihn entworfenen und eigens angefertigten System aus edlen, eisernen Spalieren und Rankpyramiden der Luxusklasse so repräsentativ wie nur irgendein stilvoller Rosengarten. Nur, daß hier eben ausgesuchte Bohnensorten und appetitanregendes Spalierobst an den edlen Rankobjekten kletterten.

Dieser Küchengarten war auch keineswegs zum Verstecken im hinteren Garten gedacht, sondern war ganz demonstrativ als zentraler Gartenraum direkt beim Haus angelegt. Zum Wohnen und Genießen im Freien war eine großzügige Terrasse konzipiert. Ein offener Außenkamin und maßge-schneiderte Ruhebänke mit vielen Kissen sorgten für Behaglichkeit und Eleganz.




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